Geschichte und Beschreibung unserer Pfarrkirche

Kirchenbau
Kirche mit Pfarrplatz
Unsere Pfarrkirche wurde in den Jahren 1964 - 66 durch die Erzdiözese Wien (Leiter des Bauamtes war Erzbischof Franz Jachym) errichtet, weil durch viele Neubauten eine neue Kirche im Gebiet der Pfarre Donaustadt (zu der damals 28 000 Katholiken gehörten) notwendig wurde. Zunächst war sie nur als Gottesdienststelle geplant, die von Donaustadt betreut werden sollte, wurde aber dann als eigene Seelsorgestation bzw. - ab 1967 - als Pfarrkirche errichtet, weshalb auf Stiege 5 noch Wohnungen dazu gekauft wurden.

Der Architekt war Dipl. Ing. Josef Wöhnhart (t 1975). Laut seiner mündlichen Mitteilung steht die Kirche deshalb im Hof einer Wohnhausanlage (ohne Kirchturm und von außen nicht sichtbar, weshalb später ein Leuchtschild an der Außenwand des Hauses angebracht wurde), weil die Gemeinde Wien verlangte, dass die städtische Wohnhausanlage Engerthstraße 237b optisch durch einen Wohnbau geschlossen wird. Die Gemeinde Wien wollte das Grundstück vom Bund kaufen, doch die Erzdiözese Wien konnte es vorher erwerben.

Diese Anordnung hat den Vorteil, dass die Kirche gleichsam mitten unter den Wohnungen der Menschen steht. Aber sie hat auch Nachteile: Die Kirche ist für die weiter entfernt Wohnenden nicht sichtbar (oft wissen neu Zugezogene nicht, dass hier ihre Pfarrkirche steht), man muss in ein fremdes Wohnhaus hinein gehen. Und es gibt Reibungspunkte mit den Mitbewohnern, weil auch die Pfarre an die Hausordnung gebunden ist. Die Pfarre ist Miteigentümer, nicht Eigentümer der Anlage.

Die Kirche steht laut Auskunft des Architekten auf Säulen, damit sie "leichter, luftiger" wirkt und vor Hochwasser geschützt ist. Die Höhe des Fußbodens ist die damals wegen der Hochwassergefahr vorgeschriebene Mindesthöhe von Wohnflächen, die "Unterkirche" ist ein Kellerersatz. Tatsächlich stand vor der Errichtung des Entlastungsgerinnes dort mehrmals Hochwasser (bis zu 80 cm). Der Raum kann von der Pfarre nicht für andere Zwecke umgebaut werden, weil er für Wohnraum zu niedrig und nicht heizbar ist und weil er ihr nicht gehört, sondern Gemeinschaftseigentum ist.

Grundsteinlegung: 8. Dezember 1964 durch Erzbischof Franz Jachym (der Grundstein befindet sich innen an der linken vorderen Säule)
Kirchweihe: 11. September 1966 durch Kardinal Franz König
Baufirma: Baumeister Franz Katlein
Eisenkonstruktionen: Prof. Siegfried Walter
Kupferdach. Fa. Dipl. In. Franz Kabrt
Glasfenster: Fa. Carl Geylings Erben
Baukosten: Rund 4 Millionen S, davon 1 Million S als Darlehen an die Pfarrgemeinde, das bis 1987 zurück gezahlt werden konnte.
Außenmaße. Länge: 26,5 m; Breite: 20 m; Höhe: 6 m
Bauaufsicht: Ing. Philipp Proy

Die Kirche muss von der Pfarre erhalten werden, auch wenn sie Teil einer Wohnhausanlage ist. Die Pfarre zahlt für die Kirche deshalb nicht in den Instandhaltungsfonds der Eigentümergemeinschaft ein, muss aber für alle Betriebskosten der Anlage anteilsmäßig mitzahlen.

Der Patron unserer Kirche ist der Hl. Klaus von Flüe (1417 - 1487).
Er war Familienvater und Ratsherr in der Schweiz, wurde aber dann mit Zustimmung seiner Frau Dorothea Einsiedler und konnte durch seinen Rat einen Bürgerkrieg verhindern. Deshalb gilt er als Friedensbringer.
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.
Das Innere:

Die Kirche ist ein einfache Saalkirche, sehr sparsam gebaut (ursprünglich war ein Asphaltboden vorgesehen). Sie wurde in der Zeit des Konzils geplant und errichtet und spiegelt diesen Umbruch wider: Einerseits ist noch eine starke architektonische Trennung zwischen Altarbereich und übrigem Kirchenraum (durch verschiedene Höhe, Lichteinfall); es war auch noch ein Kommuniongitter vorgesehen (die Messinghalterungen dafür sind in der ersten Altarstufe noch zu sehen). Andererseits hat sie schon einen Volksaltar und eine Tabernakelsäule daneben. Das Priesterteam, das die Pfarre übernehmen sollte, konnte nur mehr wenig Einfluss auf die Gestaltung nehmen, weil fast alles fertig war.

Der wichtigste feste Schmuck sind die Fenster. Aus Kostengründen konnte der Künstler, der akademische Maler Günter Kraus († 1988), der damals im Gemeindebau neben der Kirche wohnte, nur einen Teil der Fläche gestalten (die schwarzen Streifen im Milchglas sollen eine Einheit zu den bunten Teilen herstellen). Das rote Dreieck im vorderen Fenster soll nach der Erklärung des Künstlers die Liebe Gottes versinnbilden, die auf uns herabkommt (in verschiedenen Rottönen, weil die Menschen auch verschieden sind). Das grüne Dreieck im hinteren Fenster drückt aus, dass die Menschen sich in der Hoffnung versammeln (das eingesprengte "kalte" Blau bedeutet die Sünde in der Menschheit).

Das hintere Fenster kommt leider nicht zur Geltung, weil noch im letzten Moment eine Empore in die Kirche eingeplant wurde. Dort befand sich bis 1975 eine übertragen gekaufte Pfeifenorgel, die dann nicht mehr repariert werden konnte und durch eine elektronische Orgel ersetzt wurde. An der Wand der Empore wurde ein Marienbild angebracht. Dahinter stand der Gedanke, dass diese Ecke der Kirche eine Art Seitenkapelle sein könnte, wo man sich zum Gebet und zur Vorbereitung auf die Beichte zurück ziehen kann. Von den beiden Beichtstühlen wurde der linke im Jahr 1969 durch einen kleinen "Beichtraum" ersetzt, der ein Beichtgespräch ermöglicht.

Das Vortragskreuz, das Sonnensymbol auf dem Tabernakel und die Leuchter wurden von der Firma Klobassa entworfen und hergestellt. Sonst werden in der Kirche bewegliche Bilder verwendet, die teilweise von Mitgliedern der Gemeinde angefertigt wurden: Kreuzwegbilder (schon eine zweite Gestaltung) Weihnachtsbild (dieses Bild "Das Licht leuchtet in der Finsternis" aus seinem Bilderzyklus zum Johannesprolog), ein Foto einer Skulptur von Barlach ("Begegnung") für die Osternacht, ein Osterbild vom himmlischen Jerusalem, ein Pfingsttuch zu den Früchten des Geistes.

In unserer Pfarrkirche gab es seit ihrer Weihe nur ein relativ kleines Vortragskreuz mit einem Korpus des Gekreuzigten. Der Wunsch ein großes, dem Raum angemessenes Kreuz zu gestalten wurde immer wieder laut. Das Anliegen, nicht den Gekreuzigten, sondern den Auferweckten in den Mittelpunkt zu stellen wurde immer stärker.
Zu Ostern 1996 war es dann soweit. Pfarrer Dr. Paul Weß weihte das neue Kreuz.
Dieses stellt nicht den Gekreuzigten dar, sondern es ist ein Symbol der Auferstehung, des Sieges Gottes über Sünde und Tod. Schon die ersten Christen glaubten, daß Jesus der Christus ("Gesalbte"), durch den Gott die Welt mit sich versöhnen wollte, schon in der Herrlichkeit Gottes ist und einmal wiederkommen wird, wenn Gott durch ihn sein Reich vollendet.

Daher kannten sie nur ein mit Halbedelsteinen (Gemmen) geschmücktes Kreuz, das in der Fastenzeit verhüllt wurde. Jesus selbst stellten sie als den Guten Hirten dar, der die Menschen für das Reich Gottes sammelt. Erst später - in der Romanik - kamen die Darstellungen Christi als des von Gott eingesetzten Herrschers auf, in den Mosaiken und auf den Kreuzen. Seit der Gotik wurde dann das Bild des gekreuzigten Christus, der aus Liebe freiwillig den Tod auf sich nahm, das Kruzifix, zum wichtigsten Symbol der Christen. Dadurch trat aber die frohe Botschaft von Ostern in den Hintergrund.
Die Pfarrkirche lebt durch die Gemeinde, die sich in ihr versammelt.

Die Pfarre wurde 1966 einem Priesterteam übertragen mit der Absicht, Kirche in der Großstadt im Sinn des Konzils zu erneuern durch die Bildung von kleinen Gemeinschaften mündiger Christen.
Zu Pfingsten 1972 bildete sich die erste Gruppe von 35 Personen. Durch weiteres Wachsen und zweimalige Teilung gibt es jetzt drei Teilgemeinden in der Pfarre. Am 22. April 1993 beschloss der Pfarrgemeinderat folgendes Pastoralkonzept: "Im gemeinsamen Bemühen, näher zu Gott und zueinander zu finden und einander und anderen dabei zu helfen, wollen wir uns für die Bildung von verbindlichen, überschaubaren Glaubensgemeinschaften (Gemeinden), die als Träger und Leitbild der Seelsorge in der Pfarre wirken, einsetzen und Gruppen und einzelne beim Hineinwachsen in den Glauben in verschiedenen Stufen und Formen fördern."